Dienstag, 30. Dezember 2008

Neu: Teilnehmer-Galerien im Atelierprojekt


Ab Januar 2009 präsentieren wir auf der Atelierprojekt-Website im monatlichen Wechsel je 10 Arbeiten einer Teilnehmerin oder eines Teilnehmers aus unseren Kursen.

Im Januar 2009 sehen Sie Arbeiten des isländischen Künstlers Saevar Karl Olason, links: "Landwehrstraße", 120 x 120 cm, Acryl auf Leinwand.

Die Atelierprojekt-Kunsttipps werden vorerst eingestellt.

Aktuell im Atelierprojekt...

Dienstag, 11. November 2008

Drei Ausstellungstipps


Drei der im Atelierprojekt unterrichtenden Künstler stellen im November/Dezember 2008 in München und Umgebung eigene Werke aus:


Bilder von Cornelia Eichacker können Sie im Rahmen der OFFEN 08 im Städtischen Atelierhaus Baumstraße 8/Klenzestraße 85 betrachten. Offene Ateliers und Rahmenprogramm, Ausstellungsdauer 21. - 23.11.2008. Einzelheiten und weitere Informationen auf der Website des Atelierhauses.


Städteportraits von Stefan Heide aus Berlin, Budapest und Shanghai gibt es in der Pasinger Fabrik noch bis zum 30.11. zu sehen. Geöffnet täglich von 10 bis 1 Uhr. Weitere Informationen auf der Website der Pasinger Fabrik.


Bilder von Jess Walter sind vom 23.11. - 14.12. in der Galerie Alte Brennerei des Kunstverein Ebersberg e.V. zu sehen im Rahmen der Ausstellung Synaptische Felder - Kommunikation und Grenz-Erfahrung. Geöffnet Freitag bis Sonntag 14 - 18 Uhr. Weitere Informationen auf der Website des Kunstverein Ebersberg.

Montag, 3. November 2008

Kunsttipp November von Stefan Heide

Zur Ausstellung 'Spuren des Geistigen' im Haus der Kunst
19.9.2008 - 11.1.2009


Auf dem Weg zur Ausstellung fragte ich mich, inwiefern dieses Thema – Das Geistige, Spuren davon tatsächlich in der Kunst darstellbar sein sollte, da es eben für mich Signum des Geistigen ist, nicht darstellbar zu sein, da es nicht sichtbar ist. Doch der Titel der Ausstellung bezieht sich auf die Spuren, welche das Geistige hinterlässt und dies muss ich zu meiner positiven Überraschung sagen, hat die Ausstellung im Einzelnen und im Gesamten durchaus in mir berührt.
Um einen unvoreingenommenen Eindruck zu erhalten, habe ich nichts über die Ausstellung gelesen. So ist meine selektive Auswahl bestimmter Künstlerpositionen subjektiv und von meiner spontanen Reaktion geleitet.Nebenbei erwähnt fällt auf, dass die Namen der KünstlerInnen zum überwiegenden Teil Männernamen sind. Inwiefern dies mit den patriarchalischen Strukturen der geistigen Verwaltung von Religionen zu tun hat, wäre eventuell eine genauere Betrachtung wert.
Was mir an der Ausstellung als „Gesamtkörper“ betrachtet wirklich gelungen erscheint, ist die Platzierung verschiedener Aspekte dieses so genannt Geistigen, wie Akupunkturnadeln sind diese Bereiche gesetzt und gewichtet.
So sehe ich zwei Betrachtungsformen für die Gesamtanordnung: eine Längsachse, die von der Eingangstüre aus gesehen, also vom ersten zum hinteren Raum, den Aspekt der Vergänglichkeit des Menschen, seines Ausgeliefertseins und des Todes als letzte Gewissheit, für mich eine Hauptachse bildet.
Diese Arbeiten sind für mich von einer durchdringenden Kraft, da sie nicht so sehr das Geistige und dessen Spuren darstellen, sondern vielmehr die Quelle, den Ursprung menschlichen Suchens, die Ohnmacht des Menschen gegenüber einer nicht zu beseitigenden Endlichkeit unbeantwortet lassen.
"Dem Nichts“, aus dem wir kommen, und “das Nichts“, in das wir zurückkehren in eben dieser Bedrohlichkeit, in seiner Schwärze entgegenzutreten, erscheint mir persönlich als künstlerische Reaktion am schlüssigsten, es sei denn der Künstler schafft sakrale Kunst für sakrale Räume.
Die zweite Form, neben der Achse, ist der Kreis bzw. Kern: Der zentrale und größte Raum wird von einer überdimensionalen tibetanischen Gebetsmühle dominiert, die sich sehr schnell dreht, so dass alles ringsum von dieser Bewegung erfasst wird. Dieses jahrtausende alte Glaubenssymbol und Instrument bildet gegenüber dem Gefühl der Verlorenheit und Ohnmacht eine Art zweiten Grundbass, eine Antipode in der Ausstellung, dem der Übung und des daraus resultierenden Glaubens.

Weiterlesen auf der Website des Atelierprojekt

Weitere Kunsttipps des Atelierprojekt

Kunstkurse von Stefan Heide

Dienstag, 30. September 2008

Kunsttipp Oktober von Stefan Zeiler


Vincent Van Gogh in der Albertina, Wien

Mein vielleicht nicht repräsentativer Spaziergang durch die OPEN ART München, die dieses Jahr ihr 20-jähriges Bestehen "feierte" (insofern Kunst heutzutage irgendetwas feiert) hat ergeben: es überwiegt der Inhalt, aber der leidenschaftslos vorgetragene Inhalt, und man muss schon nach Wien fahren, wenn man Bilder sehen will, die sich sowohl auf visuell erfahrbare Wirklichkeit einlassen, als auch diese Wirklichkeit deuten und leidenschaftlich interpretieren, und die doch zugleich Bilder sind, die sich selber aussagen, die also, mit anderen Worten, Formen- und Farbengebilde darstellen, welche ein so simples Motiv wie einen Heuhaufen und eine Wolke oder eine Flasche mit Zwiebeln in eine starke Ausdrucksgebärde, eine Bilderfindung verwandeln.

Ich spreche von den Bilder Van Goghs, die derzeit in einer einzigartig umfangreichen und qualitativ hoch stehenden Auswahl in der Albertina in Wien zu sehen sind (in meiner Erinnerung über 50 Bilder und an die 90 Zeichnungen) und vor denen ich mich vier Stunden lang aufgehalten habe, ohne alles gesehen zu haben. Es ist schon viel über Van Gogh gesagt und geschrieben worden und doch gelingt es dieser Ausstellung, auf Wichtiges, aber bisher nur wenig Bekanntes hinzuweisen: nämlich auf die enorme intellektuelle Kapazität dieses Mannes, der sich seine Kunstmittel systematisch erarbeitet hat und alles andere als ein von Einsamkeit und Emotion und Krankheit gesteuertes "Malschwein" war.

Seine Arbeitsweise ist, was ihre Disziplin betrifft, durchaus vergleichbar mit der sehr präzis durchdachten Arbeitsweise von Seurat, nichts in seiner Orts- und Motivwahl, seiner Lektüre, seiner Mal- und Zeichentechnik, auch nichts in der Wahl seiner Porträtmodelle, Stilllebengegenstände oder seiner kunsthistorischen Arbeitsvorlagen (nach Delacroix, Millet, Rembrandt u. v. a.) bleibt intellektuell unreflektiert (worüber die Briefe unmissverständlich und sprachlich großartig Auskunft geben), so dass selbst ein so kultivierter und weit gereister Großbürger wie Gauguin seinem Kollegen, bei allem persönlichem Vorbehalt, "große Intelligenz" bescheinigte. Ich halte Van Gogh überhaupt für einen der intelligentesten Menschen seiner Zeit, der genau die Möglichkeiten und Erfordernisse der damaligen Kunst erkannt, gegeneinander abgewogen und in einer schier unglaublich kurzen Zeitspanne zu einer Synthese geführt hat, wie es sie weder vor ihm noch nach ihm in dieser Konzentration gegeben hat: die Synthese von Natur und "autonomem" Bildausdruck, die auch Picasso so interessiert und nachhaltig beeinflusst hat.

Ein kleines Manko der Ausstellung ist, dass die sicherlich gerechtfertigte und auch überzeugend dargestellte Ausstellungsthese (siehe Ausstellungstext unten) die sehr komplexe Farbtheorie Van Goghs ganz in den Hintergrund treten lässt. Dazu mein Buchtipp: Kurt Badt: Die Farbenlehre van Goghs. dumont taschenbücher 1981

(Das Buch ist möglicherweise vergriffen)

VAN GOGH - GEZEICHNETE BILDER

Bis 8. Dezember 2008
Die große Herbstausstellung der Albertina präsentiert Vincent van Gogh aus einer völlig neuen Perspektive. Sie bringt den Maler van Gogh mit dem Zeichner zusammen und veranschaulicht mit 150 Werken, wie sehr die expressive Pinselführung in seinen Gemälden durch van Goghs ausdrucksstarke Zeichenkunst vorbereitet wird.

Die Ausstellung ist täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr und am Mittwoch von 9.00 bis 21.00 Uhr geöffnet.


Sonntag, 3. August 2008

Kunsttipp August 2008 von Silke Blomeyer


Christian Saerendt, Steen T. Kittl:


"Das kann ich auch" - Gebrauchsanweisung für moderne Kunst


Du Mont Verlag



Es handelt sich hier um einen launigen, äußerst unterhaltsamen Rundumschlag zum Thema Kunst und Kunstbetrieb. Es kriegen eigentlich alle Beteiligten ihr Fett ab, Galeristen, Künstler, Kuratoren und auch Kunstbetrachter. Natürlich trifft das Buch ins Schwarze, so dass man sich oft sagt: “Das kenn ich auch!“, ist dabei aber sehr informativ und enthält auch ungewöhnlche Facetten, wie etwa ein Kapitel wie man eine Vernissage unbeschadet übersteht und ein paar recht brauchbare Ratschläge zur Beurteilung zeitgenössischer Kunst.


Die ungewöhnliche Mischung läßt sich aus der Biographie der Autoren erklären, die beide bildende Kunst studiert haben, was sie gegenüber anderen Publizisten zu Insidern macht. Beide sind inzwischen aber als solche tätig.


Wer also lernen und lachen will, ist hier bestens aufgehoben. Gewarnt sei vor der Desillusionierung, die einen beim Lesen befällt. Leider fehlen den sehr begabten Autoren ein bisschen die Perspektiven oder Ideen, wie den brillant beschriebenen Mißständen abzuhelfen sei. Das ist schade und läßt das Ganze etwas verbittert erscheinen.Trotzdem: uneingeschränkt empfehlenswert.

Weitere Kunsttipps des Atelierprojekts

Kunstkurse von Silke Blomeyer

Montag, 7. Juli 2008

Fotos von der Sommerakademie


Um allen noch ein wenig mehr Lust auf unsere Sommerakademie zu machen, gibt es auf der Atelierprojekt-Website neue Fotos von den Kursen 2007.

Von 28. Juli bis 10. August findet unsere diesjährige Sommerakademie im Schafhof - Europäisches Künstlerhaus Oberbayern - in Freising statt.
Thema ist Malerei und Zeichnung vor der Natur. Vier professionelle Künstlerinnen und Künstler bieten vor dem Hintergrund ihrer künstlerischen Praxis Zugang zu Gestaltungsweisen, maltechnischen Verfahren, regen zu mutigen Schritten an und helfen bei der Suche nach einem starken persönlichen Ausdruck. Im weitläufigen, üppigen Garten des Schafhofs ist ein ungestörtes Arbeiten ebenso möglich wie in der großzügigen Halle, in die man bei Schlechtwetter ausweichen kann.
Das differenzierte Kursprogramm führt in alle Techniken wie Ölmalerei, Acryl, Aquarell, Gouache, Zeichnung oder Pastell ein. Eigentliches Ziel ist aber stets die künstlerische Aussage: von genauer Naturbeobachtung über expressive Gestaltung bis zu ungegenständlicher Farbsetzung reicht hier das Spektrum der möglichen Ansätze.
Ausführliche Bildanalysen, interessante Gespräche zur Kunst und nicht zuletzt das gemeinsame Mittagessen im sonnigen Garten bieten reichlich Gelegenheit zu intensivem Ideenaustausch.

Freitag, 4. Juli 2008

Adolph Menzel in der Hypo-Kunsthalle München

ALLES ist es wert, genau betrachtet zu werden.

Die Adolph-Menzel Ausstellung „radikal real“ in der Hypo-Kunsthalle München


Was hat der Mann nicht alles gezeichnet! Alles hat er gezeichnet. In seinen Mänteln trug er acht Skizzenbücher in verschiedenen Taschen mit sich herum, um festzuhalten, was ihm wert schien, festgehalten zu werden. Und da war kein Ding zu klein oder zu gering: ein Mann, der auf dem Häusl sitzt oder an der Pissrinne die letzten Tropfen abschüttelt, ein Gerüst für die Dachdecker, der Kamm der Köchin Lina mit den darin feststeckenden Haaren, ein Altar, eine Prozession – später für ein Ölbild als Vorwurf gut zu gebrauchen – ein Nachtgeschirr und eine Familienszene mit Lampenlicht, Tiere, Bäume, technische Gerätschaften, Menschen. Er hat sehr genau hingeschaut und er muss rasend schnell gezeichnet oder ein eidetisches Gedächtnis gehabt haben, um auch noch so detailreich und -genau zu zeichnen.


Die Rede ist von Adolph Menzel. Von von Menzel, denn so durfte er sich in seinen späteren Lebensjahren nennen, aber der Adelstitel hat ihm so viel nicht genützt; weil, er war und blieb ein Außenseiter. Außenseiter, weil er in die Kunst- und Galerieszene nicht passte. Der Vater hatte eine Lithographiewerkstatt, dort lernte er. Begann zu arbeiten, besuchte Kunstschulen, nicht die offizielle Akademie. Arbeitete. Arbeitete. Arbeitete.


Der berühmte Satz, von dem ich immer nicht weiß, ob ich ihn preisen oder verdammen soll, „Genie ist Fleiß“, hier trifft er sicher zu. Aber Genie ist eben mehr als Fleiß, und das trifft hier erst recht zu. Denn wie Menzel nach dem frühen Tod der Eltern die Familie unterhält, nach dem Tod des Bruders noch dessen Fotostudio fortführt, erst spät zu Geld kommt, so dass er reisen kann, auch nach München, wo er das Hofbräuhaus liebt, mitten in der schon damals Touri-Schenke, und den Barberinischen Faun in der der Glyptothek, dessen laszive Eleganz und Marmorglätte er großartig festhält, mit Bleistift auf Papier, da waren ja der Fleiß und die Arbeit gewissermaßen nur der Hintergrund, vor dem er „trotzdem“ sehen und zeigen konnte, was er sehens- und zeigenswert fand.


Es gibt bei den Malern diesen dummen Streit zwischen Linie und Fläche. Die Zeichner stehn erstmal auf die Linie, die Maler halten Flächen für wichtigere. Ein müßiger Streit, beides braucht’s– aber dass zeichnen können eine gute (wenn nicht doch die) Grundlage ist, merkt man bei Menzel. Die Malerei hat er sich erst später und autodidaktisch angeeignet. Sind ihm auch technische Fehler passiert, so dass manche Ölbilder in argem konservatorischem Zustand sind, lauter Risse, wo man was sehen sollte. .Das Zeichnen, das einen genauen Blick auf die Wirklichkeit verlangt und verleiht, lernte er von Anfang an. Von den berühmten Bildern, dem Eisenwalzwerk, der unvollendeten Reverenz des Souveräns vor den Märzgefallenen 1848 – ja, die Bourgeoisie als aufsteigende, revolutionäre Klasse und einer, der sie beobachtet, das war, auch bei den Sanssouci-Bildern kein Adelsmaler – sind nur wenige da. Es geht bei dieser Ausstellung darum, nicht die berühmten Werke zu zeigen, sondern wie die Sicht des Künstlers, die in seinen Zeichnungen sich niederschlägt, sein ganzes Werk beeinflusst hat. Kein Auge drückt er zu gegenüber der Schönheit und gegenüber der Hässlichkeit der Welt. Dekorierte Offiziere im Zustand der Verwesung, Soldaten im Lazarett, ein wunderschönes junges Mädchen auf dem Totenbett. Mit sich selbst geht er nicht anders um: sein Fuß in Öl, eine Studie wie fürs ein medizinisches Lehrbuch oder die linke Hand die rechte zeichnend oder ein Selbst mit einer Zahnrose: Schauen, was da ist.


Einen Außenseiter-Gesichtspunkt sollte man nicht vergessen: die Kleinwüchsigkeit des Künstlers. Sie mag beigetragen haben, dass er trotz Ruhm und Geld lieber mit der Schwester verreiste, und, trotz durchaus vorhandenem Interesse an weiblichem Gebein unverheiratet blieb. Anders als Toulouse-Lautrec, der mit seiner adligen Herkunft sich wennschon dennschon um Konventionen nicht scherte, besuchte der Aufsteiger Menzel nicht die Bordelle, aber immerhin stieg er auf die Tische des Ballsaals, um einer opulenten Dame so richtig schön von oben ins Dekolleté zu schauen – und das Geschaute zu zeichnen.


Das ist eine faszinierende Ausstellung, die Christiane Lange, die Leiterin der Hypo-Kunsthalle in München, und Dr. Bernhard Maaz vom.Kupferstichkabinett in Berlin hier gemacht haben. Faszinierend unter anderem, einige Skizzenbücher am Bildschirm „durchzublättern“ – obwohl mir das Medium zu viel Distanz verschafft und nicht angenehm ist, weil sich noch eine Ebene zwischen Betrachter und Bild schiebt, ist doch andererseits die Abfolge, wie gesehen, so gezeichnet, höchst bemerkenswert. Oder wie Misslungenes ausgestrichen wird und neu noch einmal begonnen – man kann dem Arbeitsprozess des Künstlers wirklich folgen. Wo kriegt man das schon geboten?


1.7.2008 Jürgen Walla